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Uris Tagebuch |
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8.10.2003 |
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Gestern rief mich meine fürchterlich aufgeregte Tochter
Michal an. In der Stadt Zürich hängen antisemitische und rassistische
Plakate, die eigentlich keine sein sollten, obwohl sie gerade alle üblen
Vorurteile bestätigen, die in der momentanen Wahlhysterie von der SVP
hochgekotzt werden. Ich habe mir drei davon aus dem Blick online
heruntergeladen, um sie näher anzuschauen und finde die Idee dahinter gar
nicht schlecht, provozieren ist immer gut. Doch scheinen die
Werbefachleute und die Kommmission, die diese Serie in Auftrag gegeben und
akzeptiert hat, vergessen zu haben, dass ein Grossteil der Leute diese
Plakate aus dem vorbeifahrenden Tram, Auto oder Zug sehen und deshalb
nicht in der Lage sind, die kleindruckte Antwort auf die gestellte Frage
zu lesen - sie verpassen den Clou und fahren in ihren Vorurteilen bestärkt,
alle Juden seien unehrlich, alle Albaner seien Diebe und alle
Thailänderinnen seien Huren, weiter. Ein Schuss in den eigenen Fuss, ein
gutgemeinter aber nicht durchgedachter Rohrkrepierer, krampfhafte
Originalität. Sie zeigt auch, dass Sigi Feigel und seine Mannen keine
Ahnung der hebräischen Sprache zu haben scheinen. Wie sonst würde der
hebräische Buchstabe "Sin/Schin" (S oder SCH) als deutschen Buchstaben "W"
missbraucht, sogar wenn er diesem optisch ähnlich sieht? Peinlich. Doch
die mutige Grundidee, den Durchschnittsschweizer zum Denken aufzufordern,
ist hervorragend. Etwas ähnliches wäre auch für Israel angebracht, in dem
es noch mehr Minoritäten gibt: Muslime, Christen, Drusen, Russen,
Ultraorthodoxe, Jemeniten, Siedler, Marokkaner, Kibbuzmitglieder, Opfer
des Frauenhandels, Fremdarbeiter aus Afrika, Osteuropa, dem Fernen Osten
..................... - you name it, we've got it. Es sind hier genügend
rassistische Vorurteile da, die es zu bekämpfen gäbe. Mich nimmt wunder,
wie es nun in der Schweiz weitergeht. Werden sich Schweizer Bürger
mosaischen Glaubens schämen oder hinter diese an sich mutige Aktion Sigi
Feigls stellen? Wenn sie zu offenen Diskussionen führt, bei denen alle
zuhören, teilnehmen und auf einander eingehen, hätte sie den Zweck
erreicht. Nur eben, für Tramfahrer ist sie grafisch unglücklich
verwirklicht worden. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |