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8.1.2005 – Politik und Geissenbölleli Da ich weder über Gesundheit noch damit verbundenem schreiben will, bleiben nur noch Politik, eigene Erlebnisse der letzten Tage und Wochen und Naturereignisse. Unser Enkel Matan, vierjährig, ist wieder zurück in Zürich, sein Gefolge bestehend aus Michal und Alex ebenso. Unser Haus fühlt sich leer an, Matan, dem das Zusammensein mit seinen sieben Cousins und Cousinen sehr gefiel („das isch dänn guet“, fand er) hatte Leben in die Bude gebracht. Jetzt habe ich Ruhe und finde vielleicht Zeit, einige meiner Projekte voranzutreiben. Ohne weiteres kann ich nun die oben erwähnten Themen behandeln, sie ergeben endlos Stoff zu zynischen Interpretationen and Vergleichen mit Kommentaren aus dem Ausland, wo viele Experten uns Israelis in die Kochtöpfe schauen, ohne zu wissen oder wissen zu wollen, welche Zutaten bei diesem Kochrezept verwendet werden. Die Tsunami, deren Zahl der Opfer wir wohl nie auch nur annähernd je wissen werden, macht noch immer Schlagzeilen. Die imponierenden Summen in Unterstützungsgeldern und die (zwar noch unkoordinierte) Abgabe von Hilfsgütern ist eindrücklich. Die Medien jedes Landes sorgen sich um ihre eigenen Bürger, die in Indonesien, Thailand und Sri Lanka überlebt haben, umgekommen oder verschwunden sind. Wie immer, wenn Naturkatastrophen passieren, ist es vor allem die westliche Welt (inklusive Israel) und Staaten wie Japan und neuerdings China, die helfen. Die islamische Welt, zu der Indonesien gehört, deren Länder wie Saudi Arabien, Kuwait und ähnliche, mit einem enormen Prokopfreichtum, das sogar jenes der USA und Europas übertrifft, halten sich bei solchen Aktionen vornehm zurück. Diese Haltung bestätigt nur die bestehende Tradition, nicht einmal Glaubensbrüdern in Not unter die Arme zu greifen, eine Erfahrung die auch palästinensische Flüchtlinge seit 1948 machen. Nur, in den letzten Tagen scheinen sich arabische Organisationen und Länder etwas geschämt zu haben, denn nun will die Islamische Bank eine halbe Milliarde Dollar spenden und die Saudis statt 20 nun 75 Millionen dieser Währung. Abschliessend sei erwähnt, dass die USA und Israel von der indisch-islamischen Zeitung „Al Osboa“ für das die Tsunami auslösende Erdbeben im Indischen Ozean verantwortlich gemacht werden, da sie für die indische Regierung unter Wasser Atomwaffen getestet hätten. Einige Bemerkungen zu den Wahlen Palästinas: kaum jemand denkt (das Wort „glauben“ wäre fehl am Platz), dass sich nach dem Amtsantritt Abu Mazens als neuer Präsident die Bestrebungen zu terroristischen Anschlägen ändern werden und die Liebe zu uns Juden zunehmen, genau so wenig wie nach der Auflösung israelischer Siedlungen und dem Abzug der Armee aus dem Gazastreifen und in einiger Siedlungen der nördlichen Westbank. Die dramatische Rückgang der Zahl der Anschläge ist allein dem Sicherheitszaun und den israelischen Nachrichtendiensten zu verdanken. Meine eher linksgewickelten Freunde, die diesen Abzug wie ich befürworten und mit Ungeduld darauf warten, sind dieser Meinung denken aber auch, dass dann die Armee bei weiteren Terroranschlägen eine weit freiere Hand haben wird durchzugreifen. Bis zum Ausbruch der zweiten Intifada vor über vier Jahren, dachte die Mehrheit der Israelis, dass Arafats Drohungen und Kriegsgeschrei in arabischer Sprache nur für den internen Gebrauch bestimmt war. Heute mit Abu Mazens fast ebenso extremen Aussagen in arabischer Sprache (wie das Recht zur Rückkehr), ist diese Mehrheit skeptischer geworden. Doch lassen wir uns angenehm überraschen! Zur Zeit bin ich zeitlich etwas gebunden, doch trotzdem unternahmen wir mit Enkel Matan einen Ausflug zu den dreihundert schwangeren Ziegen meines Freundes Lenny Hirsch. Lenny macht Geissenkäse und betreibt daneben eine kleine Beiz, milchig natürlich. Die Ziegen sollen in diesen Tagen ihre Böcklein werfen, die meisten drei oder vier davon. Käserei und Ziegenstall sind in der Moschav Ben Ami bei Nahariya zu Hause. Der Stall ist gross und sauber, die Ziegen werden maschinell gemolken – das Ganze sieht aus wie eine Kuhmolkerei – einfach kleiner und zierlicher, wie auch wesentlich sauberer, denn die trockenen Geissenbölleli bilden keine breiigen Fladen. Womit ich auf das fabelhafte Hart- und Weichkäseangebot in Lennys Laden hinweisen möchte, selbstgemacht von ihm und einigen Nachbarn, die auch dem Käsen frönen. |
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Paul Uri Russak, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |