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In seinem gerade erschienen Editorial im Tachles schreibt Jacques Ungar
über die moralische Gleichsetzung des fünffachen Kinder- und Muttermordes
im Gazastreifen zu israelischen Verteidigungs- und Vergeltungsaktionen
gegen seine Feinde. Mehr zu schreiben als als Jacques überflüssig. Die
Apologeten, besonders von jüdischer Seite, haben wieder einmal Gelegenheit
für die Blutrunst der ach so armen Gazastreifler und anderer Palästinenser
Verständnis zu zeigen und für israelische Abwehr- und
Vergeltungsmassnahmen Horror zu demonstrieren. Jacques Ungar, über das
Verhalten jüdischer Schweizer Prominenz wie ich leicht frustriert, kann
noch so eloquent die arabische Barbarei erklären (es soll sogar noch
schlimmer gewesen sein, wie mir ein verschwägerter Fernsehreporter
erzählte, die Killer hätten die Kinder regelrecht aus allernächster Nähe
in Stücke zerschossen, Stücke, die von der Zaka einzeln eingesammelt
werden mussten), kommentieren und belegen, aber vor allem reagieren Frank
A. Meyer und andere mutige Männer, allesamt Nichtjuden – und kein
Schweizer Jude schämt sich (wenigstens nicht öffentlich) darüber. Statt
dessen wird von jüdisch-schweizerischen Apologeten zur Unterstützung des
Terrors palästinensischer Honig verkauft und selbstverliebten Judenhassern
und selbsthassenden Juden eine Bühne zur Ausübung persönlicher
Seelenhygiene geboten, während als Alibi der „Ausgewogenheit“ diskret ein
Treffen mit dem israelischen Botschafter, ein wenig besuchter Abend,
offeriert worden war.
Genug davon, lasset uns nicht beten sondern anderes berichten. Mittwoch
Abend verbrachten Lea, Adam und Margaret Teller und ich bei der drusischen
Familie von Hani und Siham Hasisi zum Znacht. Und natürlich zu
ausschweifenden Diskussionen über die geplanten Holocaust-
Erklärungsaktivitäten der „Olivenbaum“ Vereins. Hanis Brüder Malek, der
Airlinepilot und Badi, der Doktorand (er ist im Endspurt) kamen auch dazu.
Das Wichtigste zuerst: das Essen war fabelhaft, orientalisch-drusisches
vom Besten und viel zu viel davon. Auch eine Weinflasche stand auf dem
Tisch, wir stiessen an und riefen uns „Le’Chaim“ zu.
„Olivenbaum“ hat schon mit vielen Menschen gesprochen, unsere Köpfe
rauchen mit Plänen, wir haben Unterstützung namhafter Politiker – trotzdem
hat noch keine Aktivität stattgefunden. Vielleicht hat die Zusammenkunft
mit Adam, dessen Spezialgebiet die jüdische Geschichte Polens ist und der
aus dem Stegreif stundenlang über das Thema referieren kann einen
auslösenden Einfluss.
Ich helfe in zwei Organisationen mit, die aus nichtjüdischer Initiative
entstanden sind tätig. Die eine ist Said Abu-Shakras fabelhafte
Kunstgalerie, die erfolgreich moderne Kunst als verbindendes Medium zur
Versöhnung und zum Zusammenleben in gegenseitigem Respekt zwischen Juden
Arabern in Israel einsetzt und eine die dazu gehörende Kinderkunstschule,
mit der Said arabische Kinder von der Strasse wegholt und damit dem
Einfluss
von Kriminalität, Drogen und extremistischer Religion entzieht. Die zweite
Organisation ist der drusische Holocaustverein „Olivenbaum“, der den
Arabern in Israel und später auch den Arabern über der Grenze das jüdische
Schicksal, Hintergründe und Auswirkungen des Holocausts vermitteln soll,
damit sie uns Juden verstehen und unser Verhalten nachzuvollziehen lernen
und nicht ihre eigene „Nakba“ mit dem Holocaust relativieren oder leugnen,
was gemäss Hani heute bei 80% der israelischen Araber der Fall ist.
Den Drusen ist klar, was sie wollen, doch das Wie wird doch immer
diskutiert und sie kommen, trotz Stossen und Drängen meinerseits, nicht
vom Fleck. Wie viele Orientale reden sie gerne, viel und in blumigen
Höhenflügen, haben Ideen, dass es nur so kracht, doch wenn es ums
Ausführen geht, dann rutscht der Fuss vom Gas- aufs Bremspedal. Ich muss
mir etwas einfallen lassen, denn wenn Said, der israelisch-arabische
Macher, es bringt fertig seine Idee überzeugend zu realisieren, werden
auch drusische Aktivisten es schaffen. Eines ist mir inzwischen klar
geworden: es gibt in Israel viele Kooperationen zwischen Juden und Arabern,
kleine und grössere, private und offizielle, geschäftliche und soziale,
mehr als der Normalbürger weiss. Doch israelische Verteidigungs- und
Vergeltungsmassnahmen, sogar palästinensische Terroranschläge auf Juden,
haben bei den Medien Priorität und werden berichtet. Zuzufügen ist
allerdings, dass die Mehrheit dieser Gemeinsamwerke aus jüdischer
Initiative entstanden sind, meine zwei Projekte gehören zu den Ausnahmen.
Gerade deshalb mache ich mit und versuche etwas jüdisch-israelische
Rationalität hinein zu bringen um damit gezieltes Planen und Ausführen zu
ermöglichen.
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