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Uris Tagebuch

5.10.2003
 

Wie erwartet fand nach relativ langem Unterbruch ein grosser Terroranschlag statt. Wieder einmal in Haifa, im Restaurant Maxim, das Teil einer grossen Tankstelle und Autowaschanlage ist, die bei der Stadteinfahrt am Karmelstrand liegt. Ich kann mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn nicht nur das Restaurant, sondern die gesamte Tankstellenanlage explodiert wäre. Lea und ich haben dort schon unseren Ford Focus waschen lassen und in Restaurant die Zeit totgeschlagen. Jeder, der schon auf der Küstenstrasse zwischen Haifa und Tel Aviv gefahren ist, kennt den Ort. Neunzehn Juden und Araber (die Zahl kann noch wachsen), wurden von einer studierten Juristin aus Jenin umgebracht. Als Rache für einen Bruder und einen Cousin, beide als gesuchte Terroristen des Dschihad Ha’islami Mordvereins ausgeschrieben und bei der Festnahme durch die Armee erschossen. Jetzt hat sich diese gebildete Frau zusammen mit neunzehn Israelis im Maxim in die Luft gesprengt. Wir wundern uns laut, was in den palästinensischen Universitäten wirklich gelehrt wird.

Vorhin kam ich von Haifa zurück, wo ich dreimal die Woche Kardiosport betreibe. Die Anlage liegt am grossen städtischen Friedhof, gleich über der Strasse befindet sich die arabische Abteilung. Die Friedhöfe machen Überstunden, die Gebete waren aus Lautsprechern bis in die Duschen unserer Anlage zu hören.

Im Radio wurden die Namen der Opfer durchgegeben. Familienmitglieder und Freunde schilderte sie den Zuhörern. Zwei komplette Familien sind einfach ausgelöscht, bei einer war neben Eltern und  Kindern auch noch die Grossmutter dabei, bei der zweiten beide Grosseltern. Wieder wird über die vielen Verletzten, von denen nicht wenige fürs ganze Leben seelisch und körperlich verstümmelt bleiben werden, kaum ein Wort verloren. .

Gestern im Fernsehen wurde der Gesundheitsminister Dani Naveh interviewt, der zufällig in der Nähe war und die Verletzten im Rambam-Spital Haifas besuchte. Er nahm die Gelegenheit wahr und machte sich am Mikrofon für den Herausschmiss Arafats stark. Wir hörten, dass in der Notfallstation ebenfalls anwesende Angehörige arabischer Opfer der selbstmörderischen Juristin damit nicht einverstanden waren und es darüber zu Diskussionen gekommen sei. Schade, dass die Argumente beider Seiten nicht wiedergegeben wurden.

Ich möchte allen Ernstes der ADL Schweiz, vielleicht aber auch der SIG, den jüdisch-christlichen- islamischen Verständigungsgruppen vorschlagen in der Schweizer Presse (inklusive Tachles) Todesanzeigen für die Opfer des Anschlages zu schalten, Araber und Juden, alle zusammen. Hier sind die Namen:

Bruria Zer-Aviv, 59
Bezalel Zer-Aviv, 30
Keren Zer-Aviv, 29

Liran Zer-Aviv, 4
Noya Zer-Aviv, 1
Ze'ev Almog, 61
Ruth Almog, 60
Moshe Almog, 43
Tomer Almog, 9
Asaf Staier, 10
Mark Biano, 29
Naomi Biano, 25
Nir Regev, 25
Osama Najar, 27

Matanas Karkabi, 29
Hana Naim Francis, 40
Sherbel Matar, 23
Zvi Bahat, 35

Irena Sofrin, 38
Lidya Silberstein, 58

Das wäre eine klare Stellungsnahme gegen Massenmord ohne geschmacklose, ja obzöne Relativierungen zu israelischen Schutzmassnahmen, welche auch immer. Natürlich wird es nun Leute geben, die behaupten, man müsse dann auch Inserate für die palästinensischen Opfer publizieren – womit sich die Lakaien der „Ausgewogenheit“ geoutet hätten, die blindwütigen religiös-ideologischen Judenhass und Massenmord den Massnahmen Israels zu seiner Selbstverteidigung  gleichsetzen.


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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.