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Uris Tagebuch |
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30.12.2003 – Die Kunst politisch korrekt zu denken |
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Wie und wo kann sich ein Bürger Europas und Amerikas sich sein Wissen und sein politische Haltung über den Mittleren Osten dieser Tage aneignen? Das ist einfacher als man denkt. Erstens, man belaste sich nicht mit Einzelheiten und Hintergründen des Konflikts. Das kostet Zeit und schlussendlich hat jeder sein eigenes Leben zu führen. Zweitens, ja niemanden kennen lernen, der wirklich in dieser Region lebt, nicht einmal durch E-Mail oder gar persönlich. Denn dass könnte die Menschen dort in Wesen aus Fleisch und Blut verwandeln und wären dadurch nicht mehr durch die Brille der politischen Vorurteile eigener persönlicher Weltsicht sehen. Drittens, untenstehende Tabelle erleichtert es jedem Vertreter einer politisch vorgefassten Meinung sich unbedroht in dieser Meinung bestätigt zu sehen. Als praktische Idee schlage ich vor diese Gratistabelle auszudrucken und bei einem Anfall von Denkwut als Hilfe zurück auf den politisch korrekten Weg zu verwenden. Nur ein Hinweis: man denke sich diese Liste als Kreis dargestellt – politisch ganz Rechts und ganz Links würden sich berühren und die Realität unserer Tage unverfälscht widerspiegeln. Selbstverständlich erhebt diese Aufstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
(* wer nicht weiss wer Richard Pearle war und was er heute personifiziert, ist selber schuld)
Jetzt zu zwischenmenschlichem: ich schleppte gestern einige Freunde sowie Michal und Alex in die Kunstgalerie in Umm El-Fahm. Davon nur ein Detail, das mich nicht loslässt. Auf die Frage, warum Said Abu-Shakra nicht versuche Spenden von Palästinensern und Arabern in Europa und Amerika für seine grundsätzlich erfolgreiche Tätigkeit zur jüdisch-arabischen Zusammenlebens zu erhalten, antwortete er, dass er als arabischer Bürger Israels und dazu noch als Verständigung suchender, in den angesprochenen Kreisen als Verräter der muslimischen Sache betrachtet werde. Jeder, nicht zum auf Juden hetzender Araber in unserem Staat wird, so verstehe ich das hoffentlich richtig, als Feind seines eigenen, arabischen Volkes betrachtet. Damit verstehe ich auch, warum es im Ausland keine arabischen Aktivisten gibt, die das Gespräch mit den Juden (unabhängig ob Israelis oder Schweizer Bürger, obwohl in den gleichen Topf geworfen), sondern sich vor allem in Hasstiraden gegen sie erschöpfen – es sei denn, sie finden Juden (und solche finden sich) die völlig auf diese Linie einschwenken. Das genügt für heute. Ich schreibe in meinem Arbeitszimmer an meinem recht grossen Schreibtisch. Mein kleiner Enkel Matan (3) aus Zürich, hier in den Ferien, schläft zufrieden im komfortablen Bett in diesem Raum. Er bewache, so sagt er mit Überzeugung, das Büro seines Saba (Opa) Uri und schläft die ganze Nacht durch. Wenn er einmal schläft, stört ihn nicht einmal meine Arbeit am PC. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |