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Uris Tagebuch

 

30.1.2005 – Israel Singer im Gegenangriff

Albert Einstein, ein im Gegensatz zu Herrn Dr. Israel Singer anständiger Jude,  sagte am 10.September 1945 folgendes (hier zu hören):

„So lange wie die Gewalt der Nazis nur oder hauptsächlich gegen Juden gerichtet war, schaute der Rest der Welt passiv zu und schloss mit dem offenkundig kriminellen Dritten Reich sogar Verträge und Abkommen ab. Die Tore Palästinas wurden für jüdische Einwanderer geschlossen und kein Land konnte gefunden werden, das diese unglücklichen Menschen aufgenommen hätte. Sie wurden dem Untergang überlassen, wie ihre Brüder und Schwester in den [von den Nazis] besetzten Ländern. Nie werden wir die heroischen Anstrengungen kleiner Staaten, wie die skandinavischen, Holland, die Schweiz vergessen, wie auch die Einzelpersonen, die im besetzten Europa alles in ihren Kräften liegende taten, um jüdisches Leben zu retten.“

Wie vor einigen Jahren Stuart Eisenstadt. damals stellvertretender Finanzminister der USA unaufgefordert bestätigte, haben die USA bis 1944 weit weniger Juden gerettet als die kleine, immerhin direkt bedrohte Schweiz, die rund 30'000 aufgenommen aber viele auch zurück ins besetzte Europa und in den Tod geschickt hat. Viel Unschönes hat die Schweiz in jener Zeit getan, aber, so Bergier, sei Neutralität damals die einzige Möglichkeit gewesen, die nazistische Bedrohung zu überleben. Israel Singer sollte, statt sich am SIG am falschen Ort und in falscher Art rächen zu wollen, zurück in sein New Yorker Büro fliegen und sich daran machen, das von den Schweizer Banken für Holocaustopfer und Überlebende erhaltenes Geld diesen zu übergeben, statt weiterhin darauf zu sitzen. Rechtsanwalt Ed Fagan soll nach Zeitungsberichten der Ausschluss aus dem amerikanischen Anwaltsverband drohen, nachdem er durch überrissene Erfolgsbeteiligungen in Entschädigungsprozessen Betrugsklagen von Seiten seiner Klienten riskierte. Der JWC brachte für einen pickfeinen Pensionsplan für Israel Singer mehr Kräfte auf, als mit dem Finden von Holocaustüberlebenden und deren Nachkommen. Immerhin hat der WJC gerade für diese Zielgruppe von Schweizer Banken eine Menge Geld erhalten.

Nie hätte ich gedacht die Schweizer Politik der Kriegsjahre in Schutz nehmen zu müssen, doch als die Berichte von Israel Singers Behauptung die Schweizer Neutralität sei als Kriegsverbrechen zu bewerten las, wurde ich vom Saulus zum Paulus. „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein (auf sie)“ soll vor fast zweitausend Jahren ein anderer noch heute populärer Jude gesagt haben. Ich kann nicht glauben, dass Singers Entgleisung unbeabsichtigt geschehen ist, so dumm kann er nicht sein. Ich denke, es ist ein Gegenangriff auf das Schweizer Judentum und besonders gegen den SIG und seinen Präsidenten Alfred Donath, der Singer des Diebstahls, wenn nicht der Korruption überführt haben soll. Singer missbrauchte die Feierlichkeiten zur Auschwitz-Befreiung durch die Rote Armee, zu einem Rundumschlag gegen die Schweiz – gleich alle miteingeschlossen, die Schweizer Regierung von damals und heute, die Schweizer Juden und deren Repräsentanten. Das ist leichter, als sich mit den Problemen seiner eigenen Person zu befassen und lenkt davon ab. Es zeugt von völliger Gefühllosigkeit gegenüber den Opfern des Holocausts und Arroganz gegenüber der Schweiz, dem Schweizer Judentum und seiner Geschichte, sich am falschen Ort und mit den falschen Mitteln an Alfred Donath und dem SIG rächen zu wollen. Bundespräsident Schmid erwartet von Singer eine Entschuldigung. Sie gebührt ihm und dem von ihm repräsentierten Land, doch wird er darauf wohl lange warten müssen.

 

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Paul Uri Russak, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.


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