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Uris Tagebuch
 

26.11.2003 So könnte es sein - realisierte Vision des jüdisch-arabischen Zusammenlebens

Den vergangenen Freitagabend verbrachten wir im Theater von Givataim, einen
Abend den Lea und ich nicht so schnell vergessen werden. Mein Freund Said Abu-Shakra, Polizeioffizier, Gründer und Leiter der Kunstgalerie und Kinderkunstschule in Umm El-Fahm, aber auch Maler von Pferden, Stieren und Flugzeugen, die an die Kunst in den Höhlen im Perigord erinnern, arbeitet nun an seinem dritten Projekt, dem Bau eines internationalen Museums für arabische Kunst in Israel. Auch das wird ihm gelingen.

Er lud zu einem Fundraising-Abend ein, der für uns zu einem einmaligen Ereignis wurde. Die Gäste wurden von einem Holzbläsertrio begrüsst, das Mozart und andere Klassiker spielte. Der Abend bestand aus zwei Teilen: erst eine Auktion von Werken der bekanntesten arabischen und jüdischen Maler und Bildhauer des Landes, die Said zu diesem Zweck geschenkt worden waren. Mit dem Erlös der Auktion soll der Grundstock zur Finanzierung des Projektes gesichert werden.



Mozart an einem arabischen Fest
 

Im Beisein von etwa 250 Personen, die (fast) alle 150 Schekel nur schon fürs Dabeisein bezahlten, versteigerte die Fernsehgrösse Meni Peer etwa zwanzig Bilder und Skulpturen, die zu Preisen zwischen $ 1000 und $ 5000 gekauft wurden, Preise, die, so wurde mir erklärt, etwa einen Viertel des Marktpreises der Werke darstellten. Wilde Mezies – es kam eine fünfstellige Dollarsumme zusammen, auch wenn nicht alles verkauft wurde.
Der zweite Teil des Abend war eine musikalische Show, mit grossartigen Bühnenkünstlern wie Achinoam Nini, Mira Awad und andere namhafte arabische und jüdische Sänger traten auf. Ganz besonders Achinoam und Mira boten zusammen eine Kombination von Liedern und Gesprächen auf der Bühne, die mir Tränen in die Augen trieben.

Diese Nacht in Givataim (wir kamen erst um drei Uhr früh nach Hause) bescherte uns besondere Eindrücke, die unvergesslich bleiben werden. Der erste war die Welle der Sympathie und gar Freundschaft, die Said Abu-Shakra aus jüdischen Kreisen entgegenrollt. Natürlich waren vor allem Leute aus Israels Zentralregion, wie Tel Aviv und dessen Umkreis eingeladen. Er geniesst wachsendes Ansehen nicht nur in Kunstkreisen, sondern auch unter Israelis der politischen Linken und des politischen Zentrums. Die Zahl der Anwesenden und das Resultat der Auktion beweisen es, wie auch die Tatsache der freiwilligen Teilnahme der Künstler auf der Bühne, die Schenkung wertvoller Kunstwerke für die Auktion und der Verzicht der Stadt Givataim für den Abend in ihrem schönen Theater Miete zu verlangen.


Meine Lea und Saids Frau Siham
 


Said Abu-Shakra und Meni Peer
 

All das demonstriert, wie jüdisch-arabisches Zusammenleben aussehen kann. Ein solcher Zustand ist noch weit von der täglichen Normalität entfernt, Ideologen gegenseitigen Hasses sorgen noch immer dafür, dass es dabei bleibt. Ich weiss nicht, ob Said Abu-Shakra ein Träumer ist – dazu ist er eigentlich zu erfolgreich, seine Träume werden verwirklicht.


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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.