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Die drei Söhne meines Sohnes Jehoschua sind Mitglieder
der israelischen Jugendbewegung „HaNoar Haoved Vehalomed“ (Die arbeitende
und lernende Jugend), die der Arbeitspartei nahe steht. Heute Abend waren
wir eingeladen an einem Ablösungsfest teilzunehmen. Mit Ablösung ist die
Übernahme der örtlichen Leitung des Jugendbundes durch jüngere Mitglieder
gemeint. Die bisherige Leitung ist nun militärpflichtig geworden. Unser
ältester Enkel Adam ist nun in der Leitung vertreten, wenn auch nicht als
Jugendführer. Das Fest war lustig, originell und einmal mehr hat mich
israelische Jugend mit
ihrer Spontaneität und Engagement beeindruckt – was nicht überall der Fall
ist, auch wenn ich es auch schon mit Jugendlichen unserer israelischen
Reformbewegung erlebt habe. Adams kleiner Bruder Itai (10) glänzte auf der
Bühne, während Jonathan (14) für die technische Unterstützung
verantwortlich war.
Diese Jugendbewegung existiert auch in einigen arabischen Dörfern der
Umgebung, doch mit sehr wenig Mitgliedern, wie mir Adam erzählte. Auch
wenn diese Jugendbewegung einer linken Partei mit einer versöhnlichen
Ideologie angehört und ihre Ideale weit entfernt sind von Krieg, Hass,
Eroberung und Gewalt, ist sie doch eine zionistische Bewegung, für die
sich verständlicherweise wenig Araber begeistern. (Drusen und Beduinen
sind hier nicht eingeschlossen, vor allem Drusen sehen sich nicht als
Araber, sondern als drusisch-israelische Bürger, die oft den Patriotismus
ihrer jüdischen Mitbürger übertreffen). Doch dieser Erfolg der Noar Haoved
im Gusch Segev, reflektiert dessen junge, gebildete und politisch
fortschrittliche jüdische Einwohnerschaft, die mit der politisch
religiösen oder rechtsextremen Haltung anderer israelischer Kreise nichts
gemeinsam hat. All das erklärte mir mein sechszehnjähriger Enkel Adam, auf
den ich sehr stolz bin.
Mein Sohn und seine Familie wohnt im westlichen Galiläa, in den Hügeln
hinter Haifa und Akko, mit Aussicht aufs Meer. In dieser Gegend, Gusch
Segev, wohnen Araber und Juden nebeneinander. Die Araber in ihren Städten
und Dörfer in den Talsenken, die Juden in ihren schmucken Siedlungen (genannt
Mitzpim) auf den umliegenden Bergspitzen. Die beiden Volksteile kommen
recht gut miteinander aus. Seit dem Aufstand der israelischen Araber vor
drei Jahren hat sich das Verhältnis wieder normalisiert, es wird wieder in
Sachnin (berühmt durch seinen Fussballklub der in der obersten
israelischen Fussballliga spielt) und anderen arabischen Orten eingekauft,
allerdings nicht mehr im Ausmasse früherer Zeiten. Das urbane Zentrum der
Region Gusch Segev ist Karmiel, eine der erfolgreichsten
Entwicklungsstädte Israels, das als Magnet für kommerzielles und
industrielles Wachstum dient und Arabern und Juden Arbeitsplätze bietet.
Meine Schwiegertochter Salit besitzt eine Cateringfirma und ein kleines
Restaurant im Mitzpe Koranit und beschäftigt Bürger aus arabischen
Nachbarsorten. Nicht zuletzt durch das familiäre Verhältnis zwischen ihr
und ihren Mitarbeitern hat ihre Firma Erfolg.
Ein weiteres Beispiel dieses einigermassen normalen Zusammenlebens ist
meine Tochter Dvorith, die mit Streichel- und anderen Tieren Schulen und
Kinderparties besucht. Sie wohnt im Mitzpe Eschchar. Unter anderem tut sie
das in arabischen Schulen für behinderte und taubstumme Kinder und im
Kindergarten eines nahegelegenen Beduinendorfes, von dessen Kindern sie
innig geliebt wird. Bezeichnend für das trotz allem nicht ganz
ausgeglichene Verhältnis zwischen israelischen Arabern und Juden ist, was
ihr die Leiterin einer arabischen Schule erzählte: Ein kleines Mädchen,
das mit Dvoriths Tieren schon mehrmals spielen durfte, sei zur
Schulleiterin gekommen und habe gesagt: „Weißt Du, aber Dvorith ist doch
eine sehr liebe Jüdin“. Es scheint auch andere, weniger liebe Jüdinnen in
der Erfahrung dieses arabischen Mädchens zu geben oder es reflektiert die
Stimmung seiner Familie. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine
Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas
nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte
befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und
englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des
zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und
arabischen Bürgern Israels ein.
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