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Uris Tagebuch |
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20.10.2003 |
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Die Lokalwahlen rücken näher. Fast jeden Abend klopft
jemand an die Tür, einer der vier Kandidaten will uns sprechen. Auch rufen
uns Freunde an, die einen dieses Quartetts unterstützen und versuchen uns
ihren Kandidaten zu verkaufen. Vorhin war Chaim Lipa da, zusammen mit
Ariella Boim, bei der ich schon Tee getrunken habe und mit ihrem Ehemann
Uriel Patrouille gefahren bin. Eine nette Frau, wir unterhielten uns
prächtig, nur Chaim Lipa blieb ziemlich still, was eigentlich nicht Zweck
der Übung hätte sein sollen. Die letzten Umfragen ergeben eine Führung von
Eli Aboutboul, gefolgt von Itzchak Segev, Chaim Lipa und Arnon Kremer.
Unser Nachbar Guy, der Marineoffizier, versucht mir Aboutboul auszureden
und Kremer schmackhaft zu machen. Kremer ist von allen der glaubwürdigste,
Aboutboul gehöre, sagt Guy, einer orientalischen Grossfamilie an, einer
Chamula, die, falls er gewählt würde, Einfluss gewinnen würde und den
bisher makellos daherkommenden Eli korrumpieren würde. Lea und ich sind
verwirrt. In zehn Tagen finden die Wahlen statt. Nur einen Slogan, selbst
erfunden, leuchtet mir ein: "Nur nicht Segev", denn der wäre Garant, da
pflichten mir alle Freunde, Nachbarn und Bekannte bei, dass die bisherige
Schuldenpolitik unserer Stadt weitergeführt würde, die rund 25 Millionen
Schekel Schulden würden nie getilgt, sondern weiter wachsen, denn er
müsste alle seine Verpflichtungen gegenüber den lokalen Haredim, der
lokalen Aristokratie der Grossgrundbesitzer und den korrupten
Likudmitgliedern einlösen, denen weder Sauberkeit, korrektes Regieren und
Budgetierung, Schulniveau und ähnliches am Herzen liegt. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |