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Uris Tagebuch
 

18.3.2004 – Grundsätzliches mit Beilin und A.B. Yehoshua


Die Jerusalem Post ist überhaupt nicht meine Leibzeitung, sie ist mir zu nationalistisch und anpasserisch.. Doch auch eine blinde Sau findet gelegentlich eine Eichel und das in diesem Artikel besprochene Thema „Pädagogik des Hasses“ ist von grundlegender Wichtigkeit und sein Erfolg tagtäglich von Neuem bewiesen, dass es als Aide Mémoire gelesen werden sollte. Mir geht es darum wieder einmal zu betonen, dass es im palästinensisch-israelischen Konflikt nicht um Grenzzäune und Friedenspläne geht, sondern schlicht um den Anspruch Israels zu existieren. Das ist nicht neu, war schon vor allen Intifadas und Kriegen so und hat weit vor der Gründung des Staates in 1948 die Juden in dieser Ecke der Welt bedroht. Deshalb ist es von Wert, diesen Artikel zu lesen.

Pedagogy of hate


Itamar Marcus and Barbara Crook

Jan. 4, 2004

If you want to know what's really at the heart of the Palestinian conflict with Israel, don't ask politicians or diplomats. Go to Palestinian children. Unlike the rest of the world, they've been paying close attention to what their leaders and educators have been teaching. And they are ready to practice what they've been taught. For instance, children interviewed on PA TV last week state without reservation that Israel has no right to exist, and that the goal for which they're willing to sacrifice their lives is Israel's destruction. "They [the Jews] came to take Palestine, that is, Tel Aviv, Jaffa, Haifa, Acre, Ramle. All these cities belong to Palestine," one youth explains in a December 25 broadcast, echoing years of standard Palestinian Authority indoctrination. And because he is convinced that Israel has no right to exist: "We hope, hope, hope and I emphasize these things, that the Arab countries and the foreign countries – all the countries of the world – will support the Palestinians and will expel the
Israelis.

"We must expel all Israelis from Palestine. Because Israel – there is nothing called 'Israel' in the world. The Israelis [came] from Holland, America, Iran." The children are seen promising they will keep fighting, generation after generation, until they liberate Palestine. Furthermore, they say they don't fear death in the struggle because it is shahada – death for Allah. "Even if all the Palestinian children, Palestinian youth, Palestinian women, and Palestinian men die, we will not surrender!"

None of this is surprising to anyone who has been paying attention to what does on in the PA educational system. Israel is erased from PA maps, schoolbooks and historians deny Israel's right to exist, and educators at all levels teach that Israel is a foreign colonial implant. Despite PA claims to the contrary, its textbooks continue to delegitimize Israel and dismiss it as a foreign occupier: "Palestine faced the British occupation after the First World War in 1917, and the Israeli occupation in 1948."

Children are taught that all of Israel is part of Palestine. For example, "Among the famous rocks of southern Palestine are the rocks of Beersheba and the Negev..." About Palestine's water sources, children are taught: "The most important is the Sea of Galilee."

SUCH MESSAGES of delegitimization have been affirmed by Prime Minister Ahmed Qurei. He is on record as rejecting the idea of Israel as a Jewish state. "President Bush said that Israel is a Jewish state, which is a cause for our concern. This should not have been said," he told Al-Nahar and Al-Hayat Al-Jadida on June 15, 2003. PA-affiliated historians appear on educational TV to reinforce this message. On December 28 Dr. Isam Sisalem reiterated what he has said on numerous broadcasts. Jews "have no history or connection to this land" and are nothing but a "cancer" planted by Britain to control the Middle East.

In the same educational broadcast last week, another historian resurrected The Protocols of the Elders of Zion, the infamous anti-Semitic forgery, citing it as one of the foundations of the First Zionist Congress in 1897. "The Zionist movement began at the Basel Congress to plan the exploitation of the powers' struggle, and the struggle of Europe over the Middle East," said Dr. Riad Al-Astal, a history lecturer at Al-Azhar University in Gaza. Consequently, when we view children on PA TV who say they want to destroy Israel, to liberate Tel Aviv, Jaffa, Haifa, Acre, and Ramle, and to expel the Jews, we are seeing children who are accurately regurgitating the sentiments inculcated and reinforced throughout PA society. Indeed, years of anti-Israel indoctrination have been alarmingly effective in teaching Palestinian youth that the Jews have no link to Israel, that Israel has no right to exist and that the overriding goal of the next generation – even at the cost of their lives – should be to eliminate Israel.
The essence of the conflict is Israel's very right to exist – not the question of borders or refugees. Peace negotiations that do not address the PA's system of indoctrination will be short-term paper agreements doomed to failure. Palestinian children have already figured this out. Perhaps the rest of us need to stay after school.

Marcus is founder and director of Palestinian Media Watch. Crook is PMW's North American representative.

Die palästinensische Hass- und Gewaltkampagne (von ganz speziellen jüdischen Kreisen in der Schweiz „verstanden“ und mit dem Verkauf palästinensischen Olivenöls belohnt) gegenüber Israel und allen Juden, berechtigen den jüdischen Staat nicht zu punktuellen Exzessen in Unterdrückungsmassnahmen gegenüber der palästinensischen Bevölkerung, welche die Besetzung der Westbank begleiten. Die Grenzen zwischen Terrorabwehr und Schikane sind fliessend, doch die Letzteren eines jüdischen Staates nicht würdig. Auch wenn die israelische Besetzung den Lebensstandard der Westbank nach 1967 enorm gesteigert hatte (unter der jordanischen Besatzung gab es kein modern funktionierendes Gesundheitswesen, keine einzige Hochschule, eine Kindersterblichkeit auf Drittweltniveau und eine minimale Volkswirtschaft – ein Zustand, der durch die neue Besatzungsmacht erheblich verbessert wurde, dann aber seit dem Eintreffen Arafats und seiner Tunisbande in 1993 erst durch Korruption und später auch durch von oben geförderte vermehrte palästinensische Gewalttätigkeit in Frage gestellt worden ist.
Den heutigen Zustand der extremen gegenseitigen Gewalt vergleiche ich manchmal mit dem Zweiten Weltkrieg. Dem Endziel, der Vernichtung Hitlers und des deutschen Nazismus, wurde alles untergeordnet. Die Bombardierung deutscher Städte und der Teile der deutschen Zivilbevölkerung vergewaltigende Vormarsch der Roten Armee wurde gegenüber den Verbrechen und der Bedrohung des Nationalsozialismus unwesentlich. Vergleichbar ist der heutige Zustand gegenüber dem Terror palästinensischer und jihadistischer Gewalt- und Vernichtungsideologien, der auch schon zu unschönen und nicht immer notwendigen israelischen Gegenmassnahmen führt, die oft unnütz sind, überborden, zum Teil und unglücklicherweise durch die Dauer des Konfliktes ideologisch verbrämt werden – aber das Überleben des jüdischen Volkes und seines kleinen Staates (ungefähr in den Grenzen 1967, denke ich) hat Vorrang. Alles andere wäre das Ende Israels. Ein humaneres Verhalten der israelischen Besatzungsmacht und eine ebenso humanere Linienführung des Sicherheitszaunes wäre zu begrüssen. Ob dies allerdings den palästinensischen Massenterror geben Israel und Juden beeinflussen würde, bezweifle ich.
Yossi Beilin ist zum Vorsitzenden der neuen Partei „Yahad“ gewählt worden. Darin sind die bisherige Meretz Partei und ehemalige Prominente der Arbeitspartei zu finden. Das sind die heutigen „extremen“ Linken, die ich immer wählte und es wohl auch weiterhin tun werde. Doch täuschen sollte man sich nicht – eine richtige linke Partei, mit einem fortschrittlichen Sozialprogramm und dem Willen zu einer Verständigung mit unseren Nachbarn gibt es in Israel noch immer nicht. Nicht zuletzt deshalb, weil es vielleicht einen Partner zum schön reden, aber nicht zum Tun gibt. Deshalb: auch Yahad ist letztlich eine bürgerliche und vor allem aschkenasische Partei. Sollte ich in der Zukunft eines Besseren belehrt werden, würde mich das sehr freuen.
Im heutigen Haaretz Magazine steht ein mehrseitiges Interview mit A.B. Yehoshua, meinem israelischen Lieblingsautor. Er spricht über die Herkunft seiner Familie, die schon seit 1830 in Jerusalem lebte, über seine Abneigung gegenüber seiner Geburtsstadt Jerusalem, die, so empfindet er, eine fast unzionistische, unisraelische geistige Bedrohung darstelle., da diese Stadt ihre Spiritualität verloren habe. Allerdings ist ihm klar, das es ohne Lösung der Jerusalemproblematik mit den Palästinensern keine grundsätzliche Lösung für den gesamten Konflikt geben werde. Er gibt seine Meinung über die multikulturellen Bestrebungen vieler orientalischer Juden ab, die nach der Staatsgründung in 1948 eintrafen und dies unangebracht mit falsch empfundenen Diskriminierungen begründen und sich dem modernen Israel verweigern. Interessanterweise sagt er über die selbe Eigenschaft ultraorthodoxer Kreise nichts aus.
Er spricht über die irrationalen Verhaltenselemente der palästinensischen Gesellschaft, die nicht mehr ignoriert werden können und die heute keinen Friedenspartner für Israel zulassen, auch wenn Yossi Beilin das Gegenteil behaupte. A.B. Yehoshua, der grundsätzlich das Genfer Abkommen unterstützte und auch bei dessen feierlichen Unterzeichnung in Genf dabei war, findet den Plan bestenfalls in der fernen Zukunft umsetzbar. Er spricht sich für die einseitig initiierte Trennung Israels von den Palästinensern aus (ganz Gaza und 80% der Westbank) und findet den Sicherheitszaun grundsätzlich notwendig, wenn auch falsch in seiner Linienführung. Nach Abzug Israels aus den besetzten Gebieten, sei es in einer ganz anderen Position, nicht mehr Besatzer sondern eine Nation oder Staat, die sich gegen eine andere Nation oder Staat behaupten muss und
Kriegshandlungen jeder Art mit totaler Macht beantworten kann. Dann, wenn es, sagt A.B. Yehoshua, Schiessereien in Aschkelon gäbe, gäbe es umgehend keinen elektrischen Strom in Gaza, ein, so denke ich, zartes Beispiel der Anwendung dieser totalen Macht.
Ich habe A.B. Yehoshua als Autor erlebt und auch als Diskussionspartner in verschiedenen Friedenszelten kurz nach Ausbruch der zweiten Intifada. Er weiss was er will, nämlich Frieden, ist aber kein „Gutmensch“, der mit wonnigem Mitgefühl und in Suche bedingungslosen Wohlgefallens durch die Umwelt, geistigen Selbstmord betreibt. Im Gegensatz zu jüdischen Gutmenschen der Schweiz, über die ich mich schon wiederholt ausgelassen habe, übernimmt er voll die Verantwortung als Bürger eines demokratischen Staates, dessen Probleme er versteht und mit dessen Gefahren er mit allen anderen Bürgern teilt, statt vor Mitleid zur vor allem selbstverursachten Not des palästinensischen Volkes zu verfliessen und zu deklarieren, was „die“ Israelis (oder dessen Regierung) tue, geschehe nicht in seinem Namen – wie in einem Leserbrief im Tachles der vergangenen Woche gelesen, über den ich fast geweint habe.
Ich bin leider zur Überzeugung gekommen, dass wir israelischen Juden in Leuten, die Uri Avneri als Non-Plus-Ultra israelischer Friedensbestrebungen sehen, nur weil er so schöne Artikel in deutscher Sprache verfassen kann (Uris Hebräisch ist zwar perfekt, wenn auch mit jekkischem Akzent gesprochen, wie meines auch) in Schweizer Juden, die denken, dass jeder rechts von Avneri eine Art Nazi sei – keine jüdischen Partner haben. Uri Avneri ist in Israel kaum mehr bekannt, was zwar vom historischen Standpunkt aus schade ist, er war einmal eine journalistische und auch politische Grösse, doch seine Zeit ist einfach vorbei. Diese Feststellung beruht auf einer bescheidenen aber erhellenden Korrespondenz mit einem bekannten Vertreter des Schweizer Judentums, der sich sehr ernst nimmt.
 


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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.


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