|
"Juden haben Sozialismus, Kommunismus, Menschenrechte
und Demokratie entdeckt, um sich vor Verfolgung zu schützen und Kontrolle
über die mächtigsten Länder der Welt zu erlagen. ... Juden regieren die
Welt durch Stellvertreter. Sie lassen andere für sich kämpfen". Diese
sympathischen Worte sprach gestern Premierminister Mahatir von Malaysia,
vor Führern der islamischen Welt, die Christen Putin (Russland) und Arroyo
(Philippinen) waren Gäste. Sie kämpfen beide in ihren Ländern mit
islamischen Fundamentalisten. Menschenrechte und Demokratie sind für den
Islam von heute ein Rotes Tuch, soweit verstehe ich den Ausbruch. Herr
Mahatir erhielt eine Standing Ovation. Es ist nicht das erste Mal, dass er
antisemitisches Gedankengut von sich gab. Schon ist die Relativierung
dieser an sich klaren Aussage durch seinen Aussenminister eingetroffen: es
sei nicht so gemeint und niemand solle beleidigt sein. Wie "unser" Rabbi
Ovadia Josef, der öfters ähnlichen Mist über Nichtjuden von sich gibt, der
dann, nach obligatem öffentlichem Aufschrei, von einem seiner Adlaten als
missverstanden erklärt und entschärft wird.
Mahatir ist Geschäftsführer eines der Tigerländer Südostasien, auch wenn
sein GNP noch nicht an jene von Japan, Singpore, Südkorea und Taiwan
heranreicht. Kein mittelöstlicher Staat kann sich mit diesen Ländern
messen, nicht einmal die reichen Ölstaaten, deren Reichtum schlussendlich
nicht auf eigener Arbeit und Kreativität, sondern auf eigene Bodenschätze
und die Kreativität und Arbeit anderer beruht Im Gegensatz zu allen
arabischen Ländern, hätte er es nicht nötig andere - in diesem Fall Juden
- für eigene Missstände andere Verantwortlich zu machen. Deshalb ist nicht
verständlich, warum er auf den arabischen Antisemitismuszug aufspringt.
Die Tigerstaaten Ostasiens sind das genaue Gegenteil der
arabisch-islamischen Jammerstaaten: auch sie haben eine kolonialistische
Geschichte - doch statt sich dahinter zu verstecken und sie als Ausrede
für das totale gesellschaftliche und wirtschaftliche Versagen eines ganzen
Volkes (man lese den verheerenden UNO-Bericht 2002 über die soziale
Entwicklung der arabischen Welt) zu benutzen, haben die Tigerstaaten in
vielem ein westliches Niveau erreicht und nehmen an der Moderne teil. Man
denke an Japan, Südkorea, Taiwan, Singapur, auch Malaysia wird bald einmal
zu diesem Club gehören.
Wir bekommen neue Nachbarn, Dora und Howard Green aus Amerika. Dora hat
Politikwissenschaften studiert und hat ganz feste politische Ansichten,
die mit den meinen nicht immer übereinstimmen. Diese um sich greifende
Verhärtung politischer Meinungen zu nationaler Überheblichkeit, ist eines
der Resultate der vergangenen gewalttätigen Jahre. Es ist schwierig, nicht
davon angesteckt zu werden, ausgesetzt, wie wir sind dem Terror und dem
allumfassenden Hass, der uns über die Grenze entgegenschlägt. Der
massenmordende grundsätzliche Judenhass, vom europäischen
Nationalsozialismus in die Welt gesetzt hat, wird von unseren Feinden
adoptiert und weiterführt, kostet fast täglich Opfer und macht es vielen
hier schwer, freundliche Gedanken für eine gemeinsame Zukunft zu
entwickeln. Dazu kommt, dass Dora und Howard bisher in Ma'ale Adumim,
einem Vorort Jerusalems, gewohnt haben, der eigentlich zur Westbank gehört,
aber eingemeindet worden war. Dort sei es langweilig, die Kinder sind zu
weit weg und überhaupt, hier in Zichron Ya'akov sei es netter, es sei
etwas los und die Restaurants sind vorzüglich. Howard hat viel mit mir
gemeinsam, auch er isst gerne. Ich kochte gestern Abend ein Pilzrisotto,
mit gedörrten Steinpilzen, frischen Champignon. und echtem Parmesankäse.
Dazu einen schweren Merlot aus Galiläa. Es blieb wenig übrig, Howard
füllte seinen Teller zweimal nach. Ich habe gekvelt, stolz wie eine
Jiddische Mamme. Howard war über 40 Jahre Schuldirektor, pensioniert und
sitzt in Aufsichtsräten karitativer Organisationen. Demnächst fliegt er
nach Malta, wo es anscheinend eine jüdische Gemeinde gibt. Mit seiner Frau
Dora habe ich nun ein Betätigungsfeld (keine Missverständnisse bitte), sie
auf den Kurs des mittleren Weges, des Weges der Vernunft, weg von
makkabäischem Fanatismus zu führen, der mit Heldentum begann, in
Bürgerkrieg ausartete und in den Händen Roms endete.
Zum Schluss ein kleines Bijou:
Der grosse Islamwissenschafter Bernard Lewis schreibt in seinem neuen Buch
"What went wrong?" eine wertungsfreie differenzierte Erklärung des kleinen
Unterschiedes zwischen dem Westen und dem Mittleren Osten: "Der
Unterschied zwischen mittelöstlichem und westlichem Wirtschaftsdenken kann
an ihren jeweiligen charakteristischen Formen der Korruption, von der
beide nicht frei sind, erkannt werden. Im Westen macht man Geld auf dem
Markt und benützt es um Macht und Einfluss zu gewinnen. Im Orient erobert
man die Macht und benützt diese Geld zu machen". (Übersetzung Uri).
|