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„Das ist alles ein riesiges Scheisshaus“, sagte die alte palästinensische Dame in Arabisch (die hebräische Übersetzung stand unten im Bild), nachdem sie sich über ihre Sprache entschuldigt hatte. Dieser klare Satz war ihre Antwort auf die Frage des Fernsehreporters in der Nähe der Mukata, wie sie die palästinensische Zukunft nach dem unterhaltenden Abgang Jasser Arafats sehe. Eine ebenso klare Aussage waren die wild gewordenen Emotionen der etwas 250'000 Mitakteuren dieser Beerdigung, an der über zwanzig Menschen verletzt wurden, der Husarenritt einiger Bewaffneter Palästinenser auf Arafats Sarg und der Verzicht auf eine Seelenfeier, der den Organisatoren dieses Ereignisses vom hysterischen Mob aufgezwungen worden war. Gestern wurde auch schon auf den designierten Nachfolger Yassers, Abu Masen, geschossen, zwei seiner Leibwächter kamen ums Leben. Ich will nicht über Arafat Betrachtungen von mir geben, andere tun das besser, die Zahl der Arafat-Meinungen ist so gross, wie die Zahl der Arafat-Experten, die sich äussern. In der vergangenen Woche verbrachte ich zwei Tage an einem Seminar an der Universität Tel Aviv über das Thema „Städtisches Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen“. Ziel des Treffens war die Geschichte arabisch-jüdischen Zusammenlebens in israelischen Städten anhand Beispielen in irischen, bosnischen und südafrikanischen Beispielen zu erklären und zu fördern. Da es in Israel relative wenige Städte gibt, in denen Juden und Araber meist nebeneinander und nicht miteinander wohnen – es sind vor allem Orte wie Haifa, Jaffa, Lod und Ramle - wurde über diese Städte berichtet. Haifa, das eine arabische Bevölkerung von etwas 10% (mehrheitlich Christen) besitzt, die so heisst es, bestens integriert sein sollen, ist das positive Paradebeispiel. Jaffa, das heute zu Tel Aviv gehört ist das zweite, Lod und Ramle sind Beispiele des Versagens eines Zusammenlebens in gegenseitigem Respekt und Akzeptanz. Die Regierungen dieser zwei ohnehin verarmten und verwahrlosten Städte vernachlässigen ihr arabischen Bürger noch mehr als die jüdischen. Mit der Integration arabischer Einwohner Haifas, sei es weit weniger gut, als man allgemein höre. Nach jedem Terroranschlag seien weniger Juden in Viertel mit seinen günstigeren Geschäften und Restaurant gekommen und die, die kämen mit Sprüchen wie „IHR habt einen Anschlag durchgeführt“, „IHR habe Juden umgebracht“ - ein IHR, das mir höchst bekannt vorkommt, denn genau dieses IHR hören Juden im Ausland oft, wenn Israel kritisiert wird. Auf der anderen Seite wächst die arabische Bevölkerung auch in Haifa und breitet sich aus, denn das Wadi Nisnas, in dem sie bis heute wohnen, platzt aus allen Nähten. In Jaffa wird der Lebensraum arabischer und anderer traditioneller Bewohner durch den Bau von Spekulationsprojekten und Luxusappartements immer weiter eingeengt. Das Wohnprojekt „Andromeda“ und das Erstellen des heutigen „antiken“ Jaffas, aus einem alten Wohnviertel eine sterile und prätentiöse Touristenattraktion machend, sind die eindrücklichsten Beispiele dafür. Das damit verbundene Thema „Schulen“ fand ich nicht weniger interessant.. Landesweit gesehen erhalten die 20% Araber der gesamtisraelischen Bevölkerung einen Anteil von 5% des Erziehungsbudgets. Diese Minderheit kommt zu kurz, eine Tatsache, die vor allem für den arabischen Oberstufen- und Mittelschulbereich gilt, in dem das Niveau deshalb weit tiefer als in jüdischen Schulen ist. Der nationale Notendurchschnitt in staatlichen Schulen liegt bei Juden bei 65-68/100, während arabische Schüler einen solchen 40-48/100 zu verzeichnen haben Nur im Englischen liegen arabische Schüler mit 70/100 weiter vorne. Die Folge daraus ist, dass 20% aller arabischen Mittelschüler staatliche jüdische Schulen besuchen und dort abschliessen, obwohl inzwischen arabische Privatgymnasien (besonders im christlichen Haifa, dessen Schulen, wegen ihrer strikten Schuldisziplin bekannt sind) zu den besten des Landes gehören, mit einem Erfolgsdurchschnitt von 95-100%) entstanden sind, deren Kosten sich aber eine durchschnittliche arabische Familie (genau so wenig wie eine durchschnittliche jüdische Familie) nicht leisten kann. Schulen, wie die jüdisch-arabische Staatsschule in Misgav, in der mein Enkel Eran in die erste Klasse geht (13 arabische und 11 jüdische Kinder sind in seiner Klasse, erzählt er) sind die Zukunft des Landes und sind langfristig bestimmt die beste Lösung für Israel internes Problem des Zusammenlebens seiner Minderheiten und Aufbau einer zivilen Gesellschaft, die alle einschliesst. Allerdings gibt es bis heute erst vier solche Schulen im ganzen Land. Zum Abschluss noch eine Beobachtung. Fast täglich werden im Fernsehen Auftritte vermummter Gewehre schwingender palästinensischer Terroristen gezeigt. Mir fiel erst vor wenigen Tagen auf, dass nun nicht nur Gewehre, sondern lange schmale Messer (an ihrer eckigen Spitze glaube ich deren für Qualität bürgende japanische Herkunft erkennen zu können) geschwungen werden. Das Wiedereinführen der alten arabischen Tradition des Köpfens im Irak scheint in Palästina auf seine Premiere zu warten. |
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Paul Uri Russak, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |