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Uris Tagebuch |
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15.3.2004 – Amerikaner auf Besuch |
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Ausgerechnet aus der Schweiz erhielt ich folgenden, ach so typisch jüdischen Witz in Englisch, den ich hier in deutscher Sprache wiedergebe: Osama Bin-Laden ruft Yasser Arafat an: „Hör mal, Yassi, es gibt etwas, was ich nicht verstehe. Wir sind beide erfolgreiche Terroristen, wir beide haben Tausende unschuldiger Menschen gekillt, aber die ganze Welt jagt nur mich, während du der ehrenwerte Friedensnobelpreisträger bist. Was ist dein Geheimnis?“ „Das ist ganz einfach, Osamele, ich kille nur Juden.“ Vergangenes Wochenende was ich endlich wieder einigermassen aktiv und habe es sehr genossen. Wir hatten Besuch. Sieben Mitglieder der mit uns verschwisterten Reformgemeinde Har Hashem besuchten uns, eines der Ehepaare, Sandy und Steve, waren unsere Gäste. Wir fuhren zu viert in die Kunstgalerie in Umm El-Fahm. Ich war dazu gebeten worden, sie hätten davon gehört. Die neue Räumlichkeiten, die am kommenden Samstag feierlich eröffnet werden, sind bereit, die meisten Werke hängen oder stehen schon. Es gibt beeindruckendes darunter, besonders von einer Malerin namens Ruth Schloss. Mehr darüber ein anderes Mal. Nach der Rückkehr ging ich ausruhen, um halb neun kreuzten alle sieben bei mir auf – Lea war an einer Sitzung. Sie wollten alle über Said Abu-Shakra und seine Projekte informiert werden. Ich muss in Form gewesen sein, brachte es fertig unvorherbereitet fast eine Stunde aus dem Stegreif zu sprechen und im Anschluss daran den vom israelischen Fernsehen produzierten Film über ihn zu zeigen. Ich kann mich nicht erinnern je ein so interessiertes, konzentriertes und auch engagiertes Publikum gehabt zu haben. Es wurden viele und gute Fragen gestellt, Steve, Psychiater von Beruf, analysierte die Bilder Saids, der Abend, der eigentlich nur eine Tasse Kaffee und etwas Kuchen beinhaltet hätte, wurde zu einem für alle zutiefst befriedigendem Ereignis. Den Film bin ich los, Sara-Jane, von Beruf Scheidungsanwältin, nahm in gleich mit, sie will in bei anti-israelischen „Anlässen“ einsetzen und ich muss, wie es scheint, wenigstens die Teile des Tagebuchs, die sich mit dem Thema befassen, auch in englischer Sprache erstellen. Die „Sieben“, sind der harte Kern des harten Kernes ihrer Gemeinde und wie ich von Freund Brad höre, sind sie alle aktiv in jüdischen und israelischen Belangen, und, das habe ich nun selbst herausgefunden, kritisch in diesen Dingen. Neben bei bemerkt, sind antiisraelische und antisemitische Tätigkeiten auch in den USA und Kanada nicht weniger häufig als in Europa. Der Unterschied ist höchstens der, dass es neben den obligaten Schamjuden eben auch andere gibt, die sich das nicht gefallen lassen. Zwar wusste ich das, doch hörte ich von Bill Cohen an diesem Abend, dass viele Juden und jüdische Organisationen sich lautstark und effizient wehren. Bill ist pensionierter Anwalt, noch immer Präsident des amerikanischen Zentrums für Menschenrechtsjustiz, Teilzeitgeschichtsprofessor und im Vorstand des ADL seiner Region (Rocky Mountains). Ich war mit jüdischen Amerikanern, die ganz und gar nicht meinen eigenen Vorurteilen und schon gar nicht denen engagierter Amerikaner- und Judenhasser in Europa, auch aus eigenen Reihen in Zürich, entsprachen – was mir von Brads Frau Ellen, gestern noch nachhaltig unter die Nase gerieben wurde. Ich weiss nicht, ob die Sieben dem amerikanischen Durchschnitt des jüdischen Menschen entsprechen (ich kenne auch andere), doch solche Leute lasse ich mir gerne gefallen. Nur schon jüdisches Selbstbewusst sollten Schweizer Juden von ihnen lernen. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |