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Uris Tagebuch
 

11.12.2003 – Die Leichtigkeit israelischer Pazifist zu sein
Auf meinen Bericht über israelisches Spitalleben erhielt ich eine Menge Zuschriften und Anrufe, was mich freute. Man will wissen, wie es mir geht.. Auf meine Zeilen über anti-israelische Juden erhielt ich auch Bemerkungen, teilweise beipflichtend, teilweise eben nicht. Vielleicht ist es leichter von Israel aus Schweizer mit Zivilcourage zu sein, da ich niemandem zu gefallen habe und ich als Schweizer so akzeptiert werde, wie ich bin. Genau so wie es leichter ist, von der Schweiz aus israelischer Pazifist zu sein..
Bis zum letzten Israeli, sozusagen. Damit schliesse ich für heute. Heute Abend gehen wir zum Schweizer Club Fest und ich weiss noch nicht, ob ich eine Krawatte tragen werde.

13.12.2003 – Friedhof für Terroristen

„Wie geht es dir, mein Bruder (ya Achi)“ begrüsste mich vor einer Stunde der Tankwart an der Billigtankstelle von Kfar Manda , einer arabischen Kleinstadt, an der wir immer auf dem Weg zu den Kindern vorbeifahren, „warst du bei den Kindern? Gott gebe ihnen Gesundheit und ein langes Leben“. Wir tanken dort gelegentlich auf, doch habe ich noch immer keine Ahnung, woher er mich kennt. Alles was er von mir bestenfalls wissen kann, ist meine Autonummer. Ich weiss nicht, ob mich das beunruhigen soll. Kfar Manda hat eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten Israels und zudem sind schon einige Male Bürger dieser Stadt wegen Beihilfe zu Terroraktivitäten verhaftet worden. Mehr habe ich über diesen Zwischenfall nicht zu erzählen, doch er beschäftigt mich.
Ich schreibe gelegentlich über die arabische Stadt Umm El-Fahm, die arabische Stadt in Israel mit dem üblen Ruf und der hervorragenden Kunstgalerie und Kunstschule. Wieder ist sie positiv in die Presse gekommen, erstaunlicherweise wegen ihrer islamischen Bewegung, deren Führer zur Zeit mehrheitlich im Gefängnis sitzen, mit dem Vorwurf, sie würden mit Spenden und Lebensmittelpaketen an hungernde Palästinenser den Terror der Hamas unterstützen. Ob das stimmt weiss niemand. Der Bezirksspital von Afula, durchschnittlich zu 50% von israelischen Arabern belegt und dem, wie so vielen anderen öffentlichen und sozialen Institutionen im Lande von der Regierung Luft- und Geldhahn abgedreht wird, wandte sich an den Wohltätigkeitsverein von Umm El-Fahm mit der Bitte um Unterstützung für seine Kinderabteilung. Die islamischen Brüder erhielten eine Liste – innert ganz kurzer Zeit wurde unter anderem geliefert: ein Mikrowellenofen, Digitalthermometer, ein Computer für die Schwesternstation, Kinderbücher in Hebräisch und Arabisch, Spiele und eine Menge Ueberraschungen für Kinder, die aus Operationsnarkosen erwachen. Zudem brachten die Umm El-Fahmer viel Schokolade für alle. Da Lea und ich diesen Spital gut kennen, unsere zwei älteren Kinder wurden dort geboren, fand diese Aktion unser besonderes Interesse. Das hier geschilderte geschah auf Vorschlag eines arabischen Arztes – womit ich wieder bei arabischen Ärzten und israelischen Spitälern angelangt bin.
Gestern fand ich in der Herald Tribune die Antwort auf eine Frage, die ich mir schon seit langem stelle: was passiert mit den Überresten von Selbstmordterroristen und anderen palästinensischen Massenmördern, die ihre Tat nicht überlebten? Eichmann hat man nach seinem Ableben verbrannt und die Asche im Meer zerstreut, überlegte ich mir, tut man mit diesen, ihm geistesverwandten, seine Tradition weiterführenden etwas ähnliches?
Zusammengefasst hier die Geschichte: es wird von Uri Pinkerfeld erzählt, in dessen Kibbuz Revadim es einen Friedhof gibt, der Menschen, die von unseren eigenen Mullahs, dem orthodoxen Rabbinat, als Nichtjuden betrachtet werden und deshalb nicht in einem jüdischen Friedhof liegen dürfen, eine letzte Ruhestätte angeboten wird. Vor kurzem hat ein lokaler Journalist entdeckt, dass der Staat in diesen Friedhof auch tote palästinensische Massenmörder einschmuggelte und sie dort begrub. Pinkerfeld passt das nicht. Er sympathisiert mit den Palästinensern und ihrem Schicksal, verteidigt ihre Olivenbäume und denkt das Land gehöre allen: „Israel ist ein gemeinsames Land, das Land in den das Judentum entstanden ist, das dorthin zurückkehrt und auch das Land der Araber, die dort leben.“ Aber Terroristenleichen will er nicht im säkularen Friedhof seines Kibbuzes. Jetzt wurden diese unerwünschten Überreste ausgegraben und in den „Friedhof für gefallene Feinde“ im Jordantal überführt. Übrigens, Herr Rantisi von der Hamas hat öffentlich bekannt gegeben, dass in Israel bald wieder Autobusse in die Luft fliegen werden.

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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.