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11.12.2004 – Arroganz Hund von Alt-Bundesrätin Ruth Metzler gestorben – las ich heute in der Web-Site des Tages-Anzeigers und bin tief beeindruckt über die Tiefe der Gefühle, welche in der Schweizer Öffentlichkeit durch dieses historische Ereignis demonstriert wird und durch die sich die Bevölkerung vielleicht definiert. Sie übertrifft bei weitem was wir hier in Israel arrogant zu bieten haben: Frieden ja oder nein, Rückzug aus besetzten Gebieten, tote Israelis und Palästinenser, wachsende Armut, Regierungsskandale – nichts kann mit dem Ableben von Frau Metzlers Hündli im Entferntesten konkurrieren. Hoffentlich musste Sibo nicht lange leiden. Als ich kürzlich in Zürich war, wurde mir von einer Aktivistin in jüdischen Angelegenheiten erzählt, vor kurzem sei arroganter Besuch aus Israel gekommen – wobei ich impliziert verstand, dass Israelis grundsätzlich arrogant seien. Es gibt arrogante Israelis (es gibt sie, seit ich sie kenne, das sind bald fünfzig Jahre), ich kann mit ihnen ebenso wenig anfangen wie mit arroganten Amerikanern, Schweizer, Chinesen oder sonstigen Bürger dieser Welt. Da mich Motivation menschlichem Agieren interessiert wundere ich mich gelegentlich – zum Beispiel was mit folgendem Beispiel bezweckt werden soll: Eine Dame schickte mir eine Namenliste moslemischer und jüdischer Nobelpreisträger. Die Liste soll betonen, dass die weltweit 1,2 Milliarden Moslems (20% der Weltbevölkerung) bisher sieben Nobelpreisträger produziert hat, während wir paar Juden (14 Millionen/0.02% der Weltbevölkerung) es auf 127 brachte. Auch wenn die Zahlen nur ungefähr stimmen (die Liste ist nicht à jour), ist es arrogant und unbescheiden, ja zutiefst unjüdisch, sich mit solchen Fakten zu brüsten. „Arroganz ist das Selbstbewusstsein des Minderwertigkeitskomplexes“ las ich irgendwo und ziehe es vor zu denken, dass jüdische Nobelpreisträger sich mit ihren Ehrungen nicht auf Kosten weniger erfolgreicher unziemlich brüsten. Politik macht sich zum Trittbrettfahrer der Leistungen Einzelner, in Wissenschaft und Kultur, wie auch bei sportlichen Erfolgen. Arroganz gehört vielleicht zur Stellenbeschreibung eines Politikers, doch das macht sie nicht besser. Unser Mitjude Albert (Einstein) war kein Politiker und ein bescheidener Mensch, auch wenn ein sonst recht bekannter. Er meinte über seine eigenen wissenschaftliche Erfolge: „Wenn ich die Folgen geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden“. Im übrigen geht es uns gut, wir zünden täglich eine Chanukkakerze mehr an und unsere Enkel helfen uns dabei. Itai tat das gestern und vorgestern, Dan, Hadass und Eran heute Abend, wobei der Kleine den gesamten Segen des Anzündens in voller Länge auswendig und absolut fehlerfrei vorsang. |
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Paul Uri Russak, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |