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Uris Tagebuch
 

11.1.2004 - Robert Kilroy-Silk "wir schulden den Arabern gar nichts“

In diesen Tagen komme ich kaum aus dem Haus. Die Grippe geht um - wie ich höre, soll es in der Schweiz auch nicht besser sein, als hier. Wer mein Tagebuch kennt weiss, dass ich von politischer Korrektheit absolut
gar nichts halte. Sie führt zu sofortigem Selbstbetrug und nach kurzer Zeit glaubt der politisch Korrekte sein Gelaber sogar schon selbst und verliert dem Sinn zur Realität. Seine Aufnahmefähigkeit für Fakten wird zu einem
ideologischen Sieb, das nur das durchlässt, was subjektiv akzeptierbar ist, unbeleckt von Wahrheit und, gelegentlich, sogar Selbstrespekt.
Heute sah und las ich über einen Herrn Robert Kilroy-Silk in England, ehemaligem Mitglied des britischen Unterhauses und heute Showmaster einer erfolgreichen Fernsehtalkshow der BBC. Er hatte sich in einer Zeitungskolumne die Freiheit genommen, die ihm als BBC-Angestellten nicht zusteht, nämlich zu einem heute kontroversen Thema persönliche Stellung zu nehmen. Er habe unter dem Titel „wir schulden den Arabern gar nichts“ im Sunday Express unter anderem geschrieben, ausser Erdöl, das vom Westen entdeckt, produziert und bezahlt werde, Araber der [heutigen] Welt gar nichts wesentliches gegeben haben. Wofür, fragt er, erwarten sie, das wir sie bewundern? Dafür, dass sie am 11. September 3000 Zivilisten umgebracht hätten und dies dann auf den Strassen mit Tanz feierten? Das wir wie als Selbstmordbomber, Gliederabschneider und als Unterdrücker der Frauen feiern. Dicke Post, so was inopportunes darf man nicht sagen. Die BBC hat ihn daraufhin gefeuert. Die britischen Muslime sind betupft und bereiten gerichtliche Schritte gegen ihn vor. Kilroy ist nun der Rassist der Woche und wird beschimpft.
Anders ist die Reaktion von Ibrahim Nawar, Vorsitzender einer arabischen Organisation in London, die für persönliche Ausdruckfreiheit in der arabischen Welt einsetzt. Nawar schreibt unter anderem folgendes (selbstübersetzt):
* Ich unterstütze Robert Kilroy-Silk und begrüsse ihn als Anwalt der Meinungsfreiheit.
* Ich bin mit vielem was er über arabische Regime sagt, einverstanden. Es gibt eine lange Liste der Unterdrückung, besonders in folgenden Ländern: Iran, Irak, Algerien, Ägypten, Libyen, Jemen, Saudiarabien, sowie Sudan und Tunis.
* Er ist mit Kilroy’s Kommentar über die Unterdrückung der Frau völlig einverstanden. Frauen in Saudiarabien dürfen nicht allein auf der Strasse gehen oder gar ein Auto lenken. Ich denke, es gäbe eigentlich schlimmere Beispiele.
* Den Hinauswurf Kilroys aus der BBC verurteilt Nawar scharf. In arabischen Ländern ist eine starke Pressezensur zu finden. Redakteure bangen um ihre Existenz, wenn nicht um ihr Leben, und nun gehe die BBC mit schlechtem Beispiel voran, statt den totalitären arabischen Staaten, die täglich die Meinungsfreiheit unterdrücken, ein Beispiel zu setzen. .Dieser Fall Robert Kilroy-Silk ist ein Musterbeispiel angewendeter politischer Korrektheit, die konsequent zur Unterdrückung der Meinungsfreiheit führt und deswegen Menschen die Existenz kosten kann. Was Kilroy sagte, mag verallgemeinernd klingen, ist weder neu noch originell und passt mir auch nicht in jeden Detail. Doch seine Aussage und die Reaktion darauf erinnert fatal an den bekannten offenen Brief von Frank Lübke, vor nicht allzu langer Zeit in der Schweiz. Nur, Schützenhilfe von arabischer Seite erhielt Lübke keine.


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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.


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