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Wir haben Besuch aus der Schweiz. Daniel Schürch, ein
alter Freund aus Zürich und Israelaktivist der ersten Stunde. Er gehört
dem Vorstand der Gesellschaft Schweiz-Israel an, der eben das Land
besuchte. Dani verbringt ein paar Tage in Zichron Ya’akov, das ihm, wie
kann es anders sein, sehr gefällt. Nach zwei Tagen mit mir, weiss er was
ich tue, wie wir wohnen und dass wir uns hervorragend eingelebt haben.
Heute wurde er von mir nach Umm El-Fahm zu Said Abu-Shakra geschleppt.
Said war zufällig gerade da – meist ist er nur an Wochenenden zu Hause, er
arbeitet in Jerusalem. Dani und ich sprachen mit ihm in englischer Sprache
und erfuhren neues: wie ich schon vor einigen Wochen berichtete scheint
Umm El-Fahm gemerkt zu haben, dass es mit Saids Aktivitäten eine
Attraktion grosser Qualität hat, die dem üblen Ruf dieser Stadt als
Zentrum des israelischen Islamismus entgegenwirkt. Die attraktive
Kunstgalerie, sein persönliches Engagement, mit dem er uns Juden zu
gemeinsamer künstlerischer Arbeit, Freundschaft zur Schaffung eines
friedlichen Neben- und Miteinander einlädt und damit Erfolg hat, zeigt nun
auch Wirkung auf lokaler, nicht nur nationaler Ebene. Wie schon bei der
kürzlich stattgefundenen Eröffnung der Keramikausstellung, zu der Bürger
Umm El-Fahms sich mit Geld und Kochen für die 700 Gäste beteiligten,
findet nun die Stadtregierung, sie müsse etwas für ihren Bürger Said Abu-Shakra
tun, der seinen Ruf nicht als Gefängnisinsasse sondern als Vermittler
zwischen Juden und Arabern errungen hat. Zudem ist Said hauptberuflich
höherer Polizeioffizier, der sich mit Jugendkriminalität abgibt. Vor zwei
Wochen offerierte ihm die Stadt die zwei obersten Stockwerke eines
modernen Geschäftshauses in zentraler Lage. Total sind das schätzungsweise
über 2000 Quadratmeter (ich bin ein schlechter Schätzer, vielleicht sind
es auch mehr) mit dazugehörender enormer Terrasse. Darin wird Saids
Galerie, die Kunstschule, die Theaterschule mit 100 Sitzplätzen, ein
kleines Museum sowie eine kleine Cafeteria mit Kiosk Platz finden.
Die Kosten der Renovationsarbeiten werden von der Stadt Umm El-Fahm übernommen
– arbeitslose Bauarbeiter gibt es dort genügend. Mit mehr Platz für die
Schule, wird Saids Sozialarbeit unter der örtlichen Jugend ausgedehnt
werden können. Er holt diese von der Strasse in seine Kunstschule und
bietet statt der Strasse die Alternative kreativen Schaffens, statt wie
die Jungen nutzlos herumzuhängen, der Kriminalität, Drogen und
extremistischen Ideologien zu verfallen oder wie die Mädchen, deren
persönliche Freiheiten mehrheitlich eingeschränkter sind, ebenso nutzlos
zu Hause gehalten werden, bis die Familie ihnen einen Mann gefunden hat.
Bisher hat Said das für 900 Kinder geschafft. Das Ganze steht gar nicht im
Einklang mit reaktionären islamistischen Idealen: moderne Kunst,
gemeinsame Aktivitäten von Jungen und Mädchen, modernes Theater (in
einigen Wochen findet Erstaufführung von „Dornröschen“ statt), aktive
Interaktion und Freundschaften zwischen arabischen und nicht arabischen
Teilnehmern und Instruktoren an Kunstseminaren und Vernissagen, die aus
ganz Israel und zum Teil sogar aus dem Ausland anreisen. All das findet
seit über vier Jahren statt, ist keine Utopie, sondern Wirklichkeit, die
Unterstützung verdient.
Wieder einmal wiederhole ich: es gibt eine ausgestreckte
israelisch-arabische Hand, die uns Juden zur Zusammenarbeit und
Freundschaft einlädt. Vielleicht gibt es neben Said und seinen Freunden
noch weitere arabische Bürger Israels, die solche Initiativen ergriffen
haben – wenn dem so ist, bin ich froh. Mit erstaunlicher Beharrlichkeit
realisiert Said Abu-Shakra seine Träume. Erst war es die Galerie, die er
mit der Ausstellung von Yoko Ono Ende l999 in die Schlagzeilen brachte.
Dann die Errichtung der Kunstschule, deren Ziele ich weiter oben
beschrieben habe. Die neue Lokalität war eigentlich nicht geplant, sie
ergab sich, so scheint mir, aus der Dynamik von Saids Arbeit. Jetzt plant
er ein internationales Museum arabischer Kunst, für das die Stadt schon
ein Grundstück bereitgestellt hat.
Saids ausgestreckte Hand sollte von möglichst vielen Juden ergriffen
werden. Aber auch als jemand, der als Araber in Israel „Karriere“ gemacht
hat, versteckt er seine Frustrationen über die Situation der Araber
Israels nicht, doch er spricht darüber und arbeitet daran, sie durch
positive Arbeit zu ändern. Das wird weit länger dauern, als die bisher
erzielten Erfolge – wir sollten ihm dabei helfen. |