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Uris Tagebuch
 

3.3.2004 – Karriere und Respekt vor fremden Kulturen

Im November 2002 schrieb ein Irwin Cotler, dann Mitglied des kanadischen Parlamentes einen Artikel „Human Rights and the New Anti-Jewishness“. Auch heute gilt noch was er damals schrieb. Unter anderem schrieb er, dass Israel der einzige Staat ist und die Juden das einzige Volk der heutigen Welt sind, die vor der Bedrohung völliger Vernichtung durch feindliche Regierungen, Religionen- und Terrororganisationen steht. Störend ist, so schreibt Cotler, ist die Gleichgültigkeit, manchmal sogar die stille Unterstützung, gegenüber solchem völkermordendem Antisemitismus. Er schreibt auch, dass der klassische Antisemitismus eine Diskrimination gegen die jüdische Religion gewesen sei, während der heutige Judenhass auf der Diskrimination der Juden als Volk beruht – dessen Ausdruck der Staat Israel ist. Damit reiht sich der islamische Antisemitismus der heutigen Tage nahtlos an den Antisemitismus der Nazis an, denke ich politisch höchst unkorrekt.
All das ist nicht neu. Doch die Tatsache, dass Irwin Cotler seit einigen Wochen Kanadas Justizminister ist, die ist bemerkenswert, denn sie zeigt, dass man politisch Karriere machen kann, auch wenn man sich als Jude selbstbewusst und öffentlich für jüdische und zionistische Anliegen einsetzt, ohne in nichtjüdische Hintern kriechen zu müssen – womit ich wieder und zum absoluten Abschluss (bis zum nächsten Mal) bei der heissen Luft, in den letzten Wochen in Tagebucheinträgen intensiv besprochen, angekommen bin.
Eine der kulturellen Eigenheiten fremder Völker, die wir progressiven Menschen linkerer Überzeugung als begrüssenswert zu akzeptieren haben, sind die Selbstkasteiungen schiitischer Muslime, anlässlich ihres Ashoura Festes, das zur Erinnerung an die Ermordung des Enkels des Propheten Mohammed Hussein in diesen Tagen gefeiert wird. Bilder davon sind jedes Jahr in den Nachrichten zu sehen und erregen kein Aufsehen – Selbstkasteiungen gibt es auch bei anderen Religionen und wie gesagt, kulturelle Bräuche und Traditionen anderer Völker sind immer zu begrüssen, denn es sind nicht die unseren. Besonders beachtenswert ist der fotografierte Miteinbezug kleiner Kinder in diesen heiligen Brauch.
 

Hier sehen wir wie Mohammad Jomahaa zur Feier des Tages den Kopf seines Söhnchens mit einem Messer anschneidet. Geschehen und von AP fotografiert im libanensischen Nabatiyeh, gestern am 2.3.2004 – so steht es wenigsten geschrieben.

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Paul Uri Russak, 66, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert.
Wie vielen Israelis aus dem politisch linken Spektrum hat sich seine Einstellung durch die Realität der Ereignisse der letzten drei Jahre etwas nach rechts verschoben, auch wenn sie sich noch immer links der Mitte befindet. Uri betätigt sich heute als Publizist in deutscher und englischer Sprache und setzt sich aktiv für die Verbesserung des zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisses zwischen jüdischen und arabischen Bürgern Israels ein.


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