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Uris Tagebuch |
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3.2.2004 – Der palästinensische Terror und die israelische Seele |
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Jeder der klar denkt weiss, dass der von Sharon verkündigte Rückzug aus Gaza, wenn er überhaupt durchgeführt wird, den Hass und den Wunsch nach noch vermehrteren Massenmord unter den Mordorganisationen im Gazastreifen nicht dämpfen wird. Der Sprecher des Islamischen Jihad, Herr Nafez Azzam erklärte Sharons Absicht zum Sieg der palästinensischen Sache und versicherte gleichzeitig, dass der Rückzug kein Ende der Gewalt bedeuten werde. Damit rennt er offene Türen ein, denn wir alle wissen, dass palästinensischer Terror in Israel und Rückzug aus besetzten Gebieten rein gar nichts miteinander zu tun haben. Trotzdem hoffe ich, dass Arik Sharon nun endlich den Befehl zum Abzug gibt. Israel sollte, könnte man meinen, dann moralisch sauber dastehen, keine Besatzermacht mehr sein und von der zivilisierten westlichen Welt mit Liebesbezeugungen überhäuft werden, doch der Terror wird weitergehen, für Herrn Rantisi, Scheich Jassin und Geistesverwandte ist die Erfüllung des Gebotes Juden umzubringen wichtiger. Dann muss sich die israelische Regierung entscheiden, ob sie nach syrischem Rezept (Hamma 30'000 Tote), russischen Rezept (Tschetschenien/Grozny 20'000 Tote), irakisch-saddamischem Rezept (Irak 200'000 Tote), algerischem Rezept (100'000 Tote) vorgehen will oder ob sie den bisher eingehaltenen feinen Pfad der relativen Zurückhaltung weiterhin einhalten will. Wohl das letztere, denn das jüdische Herz, die jüdische Seele, wird es nicht zulassen, ganze Städte flach zu bomben und so durchzugreifen, wie es die Alliierten im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland getan haben, um das absolut Böse in der Form des Nazismus, als dessen Nachfolger des Islamismus (neuerdings Jihadismus genannt) angetreten ist, ohne wenn und aber auszurotten. Das oben geschriebene darf unter keinen Umständen als Verallgemeinerung verstanden werden. Natürlich gibt es Palästinenser, die in Frieden leben und ohne israelische Strassensperren und Ausgehverbote wieder ein normales Leben führen wollen. Nur werden diese durch zahlreichen eigene Scharfmachern aus ihrer eigenen Gesellschaft terrorisiert. Über die unter dem Sammelbegriff „Kollaborateure“ (darunter sind meist Opfer privater Fehden zwischen Familienclans, Kriminelle, Mitglieder eines Konkurrenz-Terrorvereins etc.) umgebrachten Palästinenser gibt es keine genauen Angaben, es werden über Einzelfälle berichtet, doch wie mir ein Fachmann versicherte, wird die Mehrheit dieser Fälle nicht publik gemacht. Zurück zur jüdischen Seele. Die englischsprachige israelische Zeitung „Jerusalem Post“ lese sehr selten. Doch jemand aus Kanada sandte mir einen Artikel vom 1. Februar 2004, geschrieben von Yossi Klein Halevy, über den ich gelegentlich schon geschrieben habe. Yossi ist modern religiös, sucht (oder suchte) ökumenische Kontakte, die er in seinem Buch „At the entrance to the Garden of Eden“ wunderschön niederschrieb, bis diese Erlebnisse durch Arafats Intifada gewaltsam unterbrochen wurden. Diese Erfahrung hat ihn leicht verbittert, er wurde was man heute „Realist“ nennt. Auch er hat es mit der jüdischen Seele, er schrieb einen Essay über das Thema, zu dem er von der BBC zu einer Paneldiskussion eingeladen war, aber nicht teilnehmen konnte. Er schrieb einige Punkte nieder, die er hätte sagen wollen. Davon ein paar Punkte: * Bevor die angeschlagene Seele Israels diskutiert werden soll, schlägt er vor die kollektive Seele Palästinas und die ihr verwandte Seele der arabischen Welt zu diskutieren. Israel war, betont er, das erste Land in der Geschichte das freiwillig auf sein historisches Herzland verzichtete und die Souveränität ihrer Hauptstadt zu teilen bereit war. Im Kontrast dazu wurde die palästinensische Gesellschaft Gefangene eines Kult des Todes, das Massenmörder als religiöse Martyrer feiert und in ihnen ein erzieherisches Rollenmodell sieht. Im Gegensatz zu Israels Seele, die sich über den Preis für ihre Selbsterhaltung zerreisst, zeigt die palästinensische Seele wenig Anzeigen von Zweifel oder Reue für ihre Kultur des nationalen Selbstmords. * Über die Ideologen der extremen Linken und Rechten meint Yossi, dass die dogmatischen Linken und die israelischen Menschenrechtsaktivisten die Palästinenser als liebenswerte Minderheit sehen, die nichts weiter will, als ihre Freiheit, statt diese als Teil einer regionalen Mehrheit zu erkennen, die uns entwurzeln und uns die Legitimität des Seins aberkennt. * Zum Terrorismus: Falls Israel am Terrorismus zerbrechen kann, werden die Terroristen erkennen, dass jede Gesellschaft daran zerbrechen kann. * Falls die Sharon Regierung tatsächlich einen unilateralen Rückzug aus Teilen der besetzten Gebiete durchführen wird ohne die Terroristen damit zu stärken, dann muss ein hartes Zeichen an die arabische Welt gesetzt werden. Nämlich, wie ich auch schon schrieb, dass für Terrorismus ein Preis zu zahlen ist, nicht nur von der Gesellschaft der Opfer, sondern auch von der Gesellschaft, die diesen Terrorismus ermutigt. * Yossi, und damit spricht er für viele, sieht als zweites Kriterium des Standes der israelischen Seele die Vitalität seiner demokratischen Institutionen und Kultur. Die Tatsache, dass Israel das einzige demokratische Land im Mittleren Osten ist, bürdet ihm Verantwortung auf – es muss ein Muster der Demokratie sein, einer Demokratie, die auch unter Stress funktioniert. * Ein Zwang, sich zwischen absoluten Menschenrechten und ebenso absoluten Sicherheitsbedürfnissen zu entscheiden, würde die Substanz der israelischen Seele, die mit diesem Paradox kämpft, zerstören. Nicht, dass ich mit jeder Einzelheit, die Yossi schreibt ganz einverstanden bin. Doch er besitzt einen durchdachten und vernünftigen Standpunkt und hat einen gewissen jüdischen Stolz behalten. Zudem schreibt er ein wunderschönes Englisch und kann sich klar ausdrücken. |
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Paul Uri Russak, 66,
gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |