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1.12.2004 – die Kunstgalerie Umm El-Fahm – Grundstein für eine arabische Zivilgesellschaft Mein Freund Said Abu-Shakra macht Pläne für das Jahr 2005 seiner Galerie, seine Kinderkunstschule und für das in der Planung stehende Museum Israels moderner arabischer Kunst. Es wird das erste dieser Art in Israel sein – ich könnte mir vorstellen, dass es das erste arabische Museum für moderne Kunst überhaupt sein wird. Museen über arabische Geschichte und islamische Kunst gibt es viele, doch wenn man, wie Said, sich mit moderner Kunst befasst, muss man sich auch mit der Moderne an sich befassen, einem Thema, das in der arabischen, heute leider von reaktionärem Islam geprägten Welt, abgelehnt wird – solange es nicht um modernste Waffen geht. Ich weiss, dass Said und seine Frau Siham viele Freunde haben und ihre Arbeit von arabischer und jüdischer Seite unterstützt wird. Umm El-Fahm, einer arabischen Stadt mit dem fatalen Ruf reaktionär zu sein, bewirken sie eine langsame Revolution, sie bringen moderne Kultur unter seine konservativen Einwohner, demonstrieren erfolgreich wie eine Zivilgesellschaft funktioniert, dass der öffentliche Bereich seiner Stadt (und des ganzen Landes), seine Quartiere, seine Strassen, der Verkehr, die Parks und das Kulturangebot dem einzelne Bürger ebenso gehört und er ebenso dafür Verantwortung trägt, wie für das Innere seines Hauses. Diesen langsamen Prozess hat Said in Gang gebracht. Das Programm seiner Organisationen, der Galerie und der Kinderkunstschule für das kommende Jahr widerspiegeln diesen Einsatz: Ab Ende Januar bis Ende März 2005 werden Teile der Privatsammlung von Masem Qupti, einem Anwalt und Kunstsammler in Jerusalem, ausgestellt. Es handelt sich um moderne palästinensische Kunst, deren von mir gesehene Beispiele an den deutschen Expressionismus erinnern. Interessant werden die Monate April, Mai und Juni. Dazu will ich ausholen. Im auslaufenden Jahr (2004) verbrachten jüdische und arabische Studenten, Professoren der Städte- und Landschaftsplanung sowie Künstler sechs Monate in Umm El-Fahm, um Pläne zu erarbeiten, welche diese triste Stadt attraktiver gestalten sollen. Das Resultat wurde vor einigen Tagen präsentiert, ein Stadtrundgang fand statt und die Arbeiten hängen nun in der Galerie. Diese Idee Said Abu-Shakras und seiner Freunde entstammt dem Einfluss israelischem (oder sagen wir westlichem) Bürgersinns. Selber tun statt jammern. In den erwähnten Monaten April – Juni 2005 sollen dreissig dieser Vorschläge, jeder von einem separaten Team, zum denen jeweils auch zwei bis drei Repräsentanten der betroffenen Quartiere gehören, realisiert. Während dieser Zeit finden an allen Wochenenden in den Räumen der Galerie und in Privathäusern Umm El-Fahms kulturelle Aktivitäten statt. Es wird Theater, Lesungen in Hebräisch und Arabisch, Diskussionen, Kindertage und anderes geben. Wie bei allen öffentlichen Anlässen der Galerie, wird die Galerie (und seine „Filialen“ in den Privathäusern) propenvoll sein. Juden und Araber, Europäer und Nordamerikaner sind an Saids schon traditionellen Festen anwesend. Am 4. Mai 2005 findet in diesem Zusammenhang eine grosse Einladung statt – wer von meinen dies lesenden Freunden dabei sein will, ist hiermit freundlichst eingeladen. Das genaue Programm steht noch nicht fest. Im September 2005 wird das Thema Kunst der Frauen, das alle modernen Kunstrichtungen beinhalten wird, behandelt. Die israelische Künstlerin Daphna Naor und 25 weitere Frauen werden für etwa zwei Monate Workshops abhalten und ausstellen. Zum Abschluss möchte ich darauf aufmerksam machen, dass sich einige meiner Zürcher Freunde eine Unterstützungsgruppe für Said Abu-Shakras Galerie und Kinderkunstschule auf die Beine zu stellen. Wie ich, finden sie, dass arabische Initiative dieser Art unterstützt werden muss, denn im Gegensatz zu den zahlreichen jüdischen Koexistenzorganisationen (die sich teilweise konkurrieren), haben arabische noch immer Seltenheitswert. Wenn wir wollen, dass Israels arabische Bürger die Chance packen, sich selbst zu helfen, brauchen sie auch unsere Unterstützung. Wer sich dafür näher interessiert, kann sich an mich (Adresse siehe unten) oder an Hans Daniel Schürch in Zürich, Tel. 01- 341 94 02 wenden. |
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Paul Uri Russak, gebürtiger Schweizer, schreibt sein vor allem an jüdische und christliche
Freunde gerichtetes Tagebuch seit September 2000. Er wohnt im Weindorf
Zichron Ya'akov am südlichen Ende des Carmelberges, nahe am Meer. Uri ist
gelernter Verlagsbuchhändler, heute pensioniert. |